Um die Eindrücke der 4 Tage SharePoint Conference 2009 zusammenzufassen:
- Das neue SharePoint 2010 ist kein ganz grosser neuer Wurf. Neben Bereichen, die massiv verbessert wurden, sind auch gute alte Bekannte und gute alte Probleme in SharePoint 2010 wieder vorhanden. Die Basisstrukturen sind gleich wie in MOSS 2007.
- Ein Umsteigen auf SharePoint 2010 ist aber auf jeden Fall sinnvoll. Die Bedienung wurde wirklich vereinfacht, dank dem neuen ribbonbasierten User Interface. Ein Benutzer, der SharePoint 2007 kannte, kommt sehr schnell mit 2010 zurecht. Dies gilt auch für Administratoren und Entwickler.
- Microsoft verstärkt den Trend zum Adminstrator/Poweruser. Es ist klar Philosophie, mehr und mehr Möglichkeiten den Endusern zur Verfügung zu stellen, ohne die IT oder das Development damit zu belasten. In diese Richtung zeigt der massiv ausgebaute SharePoint Designer, aber auch Dinge wie Sandboxed Applications.
- Microsoft macht starke Anstrengungen Richtung Document Management. Ob SharePoint mit der intern auf Collaboration ausgerichteten Infrastruktur da Erfolg hat wird sich zeigen.
- Microsoft möchte den Bereich Social Networking pushen, mit Funktionalitäten der MySite, die Richtung MyNetwork, Twitter oder Facebook gehen.
- Metadaten und Taxonomien zusammen mit einer mächtigen Suche rücken ins Zentrum der innerbetrieblichen SharePoint Anwendungen.
- Das Produkt ist mit neuen Services noch grösser und umfangreicher geworden. Sein Einsatz erfordert gute Planung, Spezialisten bestimmter Teilbereiche und auch ein Überdenken betrieblicher Prozesse und Strukturen.
Was ist alles neu im neuen SharePoint 2010:
Wir bieten hier noch eine Zusammenfassung aller Elemente, die uns als neu in SharePoint 2010 aufgefallen sind. Muss nicht heissen, dass diese Liste vollständig ist:
Für den Developer:
1. Visual Studio 2010 SharePoint Projekttypen und Items
Verfügbare Projekt Templates:
Empty SharePoint Project
Visual Web Part
Sequential Workflow
State Machine Workflow
Business Data Connectivity Model
Event Receiver
List Definition
Content Type
Module
Site Definition
Import Reusable Workflow
Import SharePoint Solution (WSP) Package
Item Templates:
Web Part
Workflow Association Form
Workflow Instantiation Form
Application Page
List Definition from Content Type
List Instance
Empty Element
User Control
Ausserdem kann neu durch den Server Explorer eine SharePoint Site eingesehen werden.
2. Visual Studio 2010 SharePoint Tools Extensibility
Über eine API können die Visual Studio Templates erweitert werden
3. Windows 7 und Windows Vista Operation System Support
Neu kann auf Windows 7 und Windows Vista Clients entwickelt und gebaut werden. Anschliessend dann auf einen Server deployed. Die Clients müssen aber auch 64 bit sein.
4. SharePoint Designer 2010
Ist massiv ausgebaut worden. Die Navigation hat nun den Fokus auf die Sitearchitektur, nicht mehr hauptsächlich auf HTML/CSS. Ein Developer Dashboard liefert Informationen über die Site, in der gearbeitet wird. Zusammen mit Visio werden Workflows hier entwickelt. Diese Workflows können auch nach Visual Studio exportiert werden (reusable Workflow).
Die Probleme, die durch die Arbeit mit dem Designer 2010 auf dem Server entstehen können (customized Pages etc.) versucht Microsoft dadurch in den Griff zu kriegen, dass der Server Administrator jetzt granularer bestimmen kann, was ein User mit dem SharePoint Designer 2010 auf dem System alles kann (Bsp. MasterPages/PageLayouts customizen ja/nein).
Der SharePoint Designer 2010, so wie er jetzt daher kommt ist u.a. auch bereits ein Tool für den Administratoren (man kann z.B. Berechtigungen einstellen und solche Dinge).
5. Team Foundation Server 2010 Integration
Die SharePoint Templates in Visual Studio 2010 integrieren auch mit dem Team Foundation Server 2010.
6. LINQ in SharePoint
Das neue Data Access Paradigma LINQ kann nun voll für die Abfrage von Listen und Dokumentenbibliotheken verwendet werden. Damit ist CAML definitiv tot.
7. Silverlight WebPart
Um Anwendungsteile zu entwickeln, die mit XHTML nicht erstellbar sind bietet Microsoft das Silverlight WebPart an. Das Versprechen ist, dass man ‚einfach’ seine Silverlight Application (.XAP) entwickelt und auf den Server deployed. Dann kann ein Silverlight WebPart einer Seite hinzugefügt werden, dem man sagt, woe der .XAP file liegt. Und das wars dann.
SharePoint Allgemein:
1. SharePoint Ribbon
Neu ist in allen SharePoint Elementen das kontext sensitive Ribbon Menu eingeführt. Entwickler können das Ribbon erweitern. Dies funktioniert gleich wie bei MOSS 2007 neue Menupunkte als Feature zu deployen. Unter dem Ribbon ist neu eine Statusbar, die zum Anzeigen von status oder error informationen dienen kann.
2. SharePoint Dialogs als „Overlay”
Um die langen Wartezeiten bei Page Refreshs abzukürzen hat Microsoft das 2010 Dialog Framework entwickelt. Es benützt stark AJAX Calls und partielle Updates der Seiten. Die Dialoge bauen auf einer eigenen MasterPage auf und sind somit customizable. Ein Dialgo wird als eine Art „Overlay” über die aktuelle Seite gelegt. Erinnert sich jemand an die Fehlermeldungen von InfoPath 2007 („Eine Regel wird nicht angewendet ?”). So sieht ein neuer Dialog von SharePoint 2010 aus.
3. List Lookups und Relationships zwischen Listen
SharePoint kennt nun Ansätze von Relationalität in Listen. Das SharePoint Lookup Feld erlaubt es, über einen Identifier auf ein Item einer anderen Liste zu verlinken und dor ein anderes Feld auszulesen und anzuzeigen. Diese Lookup Felder erlauben nun Relationships zu erzwingen. Löschungen in Items, die in anderen Listen verwendet werden können zurückgewiesen werden. Ebenso sind kaskadierte Deletes nun möglich.
4. Business Connectivity Services (ehem. oder aufbauend auf BDC)
Business Connectivity Services erlauben den Zugriff auf externe Daten. Hier ist vor allem das neue Konstrukt „External List” zu nennen. Eine External List sieht aus wie eine normale SharePoint Liste, bezieht ihre Daten aber aus einer anderen Datenquelle. Damit – verspricht Microsoft – können extrem grosse Datenmengen in SharePoint gezeigt werden.
BCS ist neu auch bidirektional, d.h. es kann nicht nur aus Datasources gelesen, sondern auch zurückgeschrieben werden.
5. Workflow Erweiterungen für SharePoint Designer
Workflow Features sind vor allem im SharePoint Designer neu. Die Basis der Workflows ist immer noch .Net 3.5 Workflow Foundation. D.h. die Gerüchte, dass die WorkflowEngine total ändert haben sich nicht bewahrheitet. Die Wesentlichsten Änderungen beziehen sich hier auch auf den SharePoint Desginer, mit dem weit mehr Möglichkeiten zur Erstellung von Workflows exisitieren. Mit dem Konstrukt „reusable Workflow” können Designer Workflows nun auch nach Visual Studio exportiert und weiterverwendet werden. Ausserdem steht über Visio eine Visualisierung der Workflows zur Verfügung. Die ist sogar bidirektional. Es können Änderungen in Visio gemacht und wieder in den Designer zurückgespielt werden.
6. Client Object Model
SharePoint unterstützt neu noch mehr Client Technologie. Hier ist vor allem AJAX zu nennen. Um die Arbeit der Developer in diesem Bereich einfacher zu machen exisitert neu ein Client Object Model das via JavaScript angesprochen wird und über WebServices mit dem Server Object Model zusammenarbeitet. Dies erlaubt den direkten Zugriff auf SharePoint Daten aus dem Client heraus.
7. Sandboxed Solutions
Sandboxed Solutions ist ein neues Konzept in SharePoint. Damit soll erreicht werden. Dass auch SiteOwner eigene Applikationen auf dem Server deployen können ohne die System Administratoren zu bemühen. Sandboxed Solutions können auf einem „abgespeckten” API entwickelt werden, dass nicht den vollen Funktionsumfang bietet. Die Anwendung läuft dann eben in einer „Sandbox”. Dafür ist das Deployment für Personen mit bedeutend weniger Rechten möglich.
Sandboxed Solutions bieten Hostern die Möglichkeit, ohne eigene grössere Aufwände den SiteOwners viel Flexibilität in ihren Anwendungen zu bieten. Aber natürlich: Es steht nicht der volle Funktionsumfang der API zur Verfügung.
8. SharePoint Online
SharePoint Online ist ein hosting Service. In der 2007 Version war es nicht möglich, custom Code zu verwenden. Mit Sandboxed Solutions ist es nun möglich, auch auf SharePoint Online custom Code zu verwenden.
9. Fast Search Integration
Fast Search for SharePoint ist eine neue Produkteintegration von Microsoft. Microsofts versprechen ist es dabei, die Möglichkeiten von Fast für die Enterprise Suche von SharePoint zu verwenden. Für einfachere Search Anforderungen bietet SharePoint 2010 immer noch die verglichen mit MOSS 2007 etwas erweiterten interne Search Engine. Offensichtlich ist die FAST Codebase noch nicht komplett in SharePoint 2010 integriert. FAST bietet mehr Möglichkeiten in der Suche, so z.B. Thumbnailing, Previews, Searchrefinement, Sorting, Similarity Search, Multiple Relevance Ranking, MetaData Search. SharePoint 2010 bietet neu eine grosse Anzahl von WebParts, die die Integration der FAST Search Engine in SharePoint Seiten ermöglichen.
10. Unique Document ID
Dokumente können in SharePoint nun über eine eindeutige ID angesprochen werden, nicht nur über den Pfad. Dies erlaubt es externen Verlinkungen, immer noch richtig zu sein, auch wenn das Dokumente an eine andere Stelle bewegt wurde. Lieder gibt es für andere SharePoint Elemente, wie SiteCollections, Sites und Lists dieses Feature nicht.
Für den Betrieb:
1. Windows PowerShell Snap-ins und Commands
Windows PowerShell ist das neue Kommandozeilen Interface für System Administratoren. PowerShell ist auch eine Script Sprache, ähnlich den UNIX Scripts. PowerShell löst die stsadm-Befehle ab, obwohl die aus Kompatibilitätsgründen noch weiter verwendet werden können. Praktisch alles in Sharepoint kann neu über PowerShell Befehle erreicht werden (es geistert da die Zahl von bis zu 500 Befehlen herum). Da PowerShell auch eine Script Sprache ist, nicht nur Befehle kennt sind einfache Programmierungen wie Loops und if/then Konstrukte kein Problem. PowerShell wird die Administration von SharePoint Site wahrscheinlich stark verändern.
2. Backup und Restore
SharePoint 2010 bietet neu eine grössere Auswahl von Backup und Restore Verfahren. Angefangen von einer ganzen Farm, über die Configuration einer Farm, Applications, SiteCollections, Sites bis hinunter auf den Listenlevel. Hier tritt PowerShell stark in Erscheinung.
Neben bekannten Vorgehensweisen wie dem Backup/Restore von SiteCollections können neu auch Sites und Listen gesichert werden. Ein neues Feature ist das Wiederherstellen von Daten aus „Unattached Databases”. Eine Content Database muss nur in den SQL Server eingespielt werden. Anschliessend kann man den Inhalt der Datenbank durchsuchen und Einzelelemente bis auf Listenebene durchblättern und wiederherstellen.
Neu ist auch, das Microsoft nun das Wiederherstellen ganzer Farmen oder der Farmkonfiguration mit eigenen Befehlen (PowerShell) unterstützt.
3. Shared Service Applications (ehem. SSP)
Die alte Infrastruktur der SSP wird zu Gunsten eines neuen, flexibleren Konzepts aufgegeben. Auf einem Application Server laufen nun die verschiedensten Service Application separat (Search, MetaData, UserProfile etc.). Diese Services können zu sogenannt Service Application Proxies groupiert werden. Jede SP Application kann nun auf eine Service Application Proxy zugreifen. Damit kann in grossen Farmen granularer auf die Bedürfnisse einzelner Anwendungen betreffs gemeinsamer Services eingegangen werden.
4. Hosting und Multi-tenancy Architektur mit Site Subscriptions
SharePoint soll neu die Möglichkeit bieten, Daten innerhalb von WebSites für unterschiedliche Clients (Tenants) zu separieren (Data Partitioning). Damit soll eine tatsächliche Hosting Umgebung geschaffen werden, wo verschiedene Parteien (Tenants) dieselbe Application gebrauchen können, die Daten aber streng getrennt sind. Multi-tenancy in SharePoint baut auf sogenannten Site Subscriptions auf. Die SiteCollections eines Tenants erhalten je eine Subscription ID. Diese ID wird verwendet, um Features und Services den einzelnen Tenants zuzuweisen. Es gilt hier aber genaue Regeln zu befolgen, wie z.B. dass alle Site Collections einer Subscription in derselben WebApplication sein müssen.
5. Claims-based Authentication
SharePoint 2010 unterstützt nun Claims-base Authentication.
6. Content Type Syndication
Content Types können neu Firmenweit in einem Content Type Hub verwaltet werden. Aus diesem Hub können Content Types an die verschiedenen SiteCollections der Farmen syndiziert werden. Syndizierte Content Types können wie normale Content Types erweitert oder vererbt werden.
7. Remote Blob Storage
RBS bietet die Möglichkeit, grosse Datenmengen nicht in SharePoint Listen/Libraries zu halten, sondern ausserhalb der Datenbank im Filesystem.
8. Monitoring
Die Monitoring Möglichkeiten von SharePoint 2010 sind stark ausgebaut worden.
Weitere Links:
MSDN Seiten zu SharePoint 2010: http://msdn.microsoft.com/en-us/library/dd776256.aspx
SharePoint Seite: http://www.microsoft.com/sharepoint









Danke für die Einführung in SharePoint 2010.
Ich finde die Neuerungen währen interessant, nur hat heute leider nicht jeder ein SharePoint Server am Laufen und für das lokale gestallten von Websites angeht, ist SharePoint Designer 2010 somit leider nicht mehr geeignet. Das heisst, man kann lokal gespeicherte Sites nicht mehr öffnen und bearbeiten. Websites können nur noch bearbeitet werden, wenn diese auf einem Host liegen, auf dem Sharpoint Server läuft. Somit unbrauchbar für alle anderen Anwender, die so schnell mal Ihre Website bearbeiten möchten. Dies gilt für ihren Webhoster, aber eben auch für Workstations, lokal.
Schade, somit war die Version 2007 besser.